Geschichte Döbeln

Geschichte der Innung Döbeln


Ab 1350
... wurde in Döbeln in der Bäckerstraße ein Gemeindebackofen betrieben. Damit wird belegt, dass das Bäckerhandwerk  in Döbeln uralt ist.

Am 8. März 1504
... gab es in Döbeln ca. 18 Bäcker. In der Gründungsurkunde der Bäckerinnung Döbeln, die dieses Datum trägt, wurden im Auftrag von Herzog Georg als Lizentiat der Rechte, Paul Brachbecke und der Döbelner Amtmann Donatius Bruder als Schiedsrichter bei Streitigkeiten zwischen der Stadt Döbeln und den Bäckern bestimmt. In Richtlinien war der Haus- und Fensterzins geregelt, sowie der Verkauf auf Wochenmärkten innerhalb der Stadt und ein Verweis auf die Besetzung der Brotbänke.
Diese Gründungsurkunde befindet sich im Hauptarchiv Dresden, eine Fotokopie davon bewahren wir in unserer Innungslade auf.

Die Brotbänke waren im nordöstlichen Teil unter dem alten Rathaus angesiedelt. Sie mussten abwechselnd täglich von einem Bäckermeister von früh 6 bis 11 Uhr besetzt sein. Daheim hatten die Meister den Verkauf von der Wohnstube aus. Durch ein Schiebefenster wurden die im Hausflur stehenden Kunden bedient. Das Fenstergeld betrug 1648
achtzehn Groschen für die Innung =  7,5 Pfennig pro Meister.
Fremde Bäcker durften bei Strafe nicht in der Stadt Brot verkaufen.
Auch jede Bäuerin war auf dem Wochenmarkt nur der Verkauf von 2 runden Broten erlaubt. Hatte sie mehr Brot mit, wurde es ihr weggenommen und unter den Armen verschenkt.
Die Aufsicht wurde von einem Bänkemann– ein alter Bäckermeister- und einer Bänkefrau- eine Bäckerwitwe- ausgeführt.

1861 hörte der Verkauf in den Brotbänken auf. Die Bäckerinnung forderte für den Schaden 125 Taler, welche nach 4-jährigem Rechtsstreit vom Rat der Stadt Döbeln ausbezahlt wurde.
Dieses Geld wurde unter den Bäckermeistern verteilt.

Ende des 16. Jahrhunderts wurden 2 Ordnungen eingeführt, die lange Zeit Richtschnur für Meister und Gesellen waren.
Abgefasst war die Ordnung für die Gesellen in 29 Artikel.
Die Becken-Ordnung für die Meister umfasste 34 Artikel.

Insbesondere waren darin festgesetzt:
Länge der Lehrzeit – 2 Jahre = 168 Groschen Lehrgeld
davon als * Sohn eines Bürgers   30 Groschen
* Fremder                         60 Groschen
Wer Meister werden wollte, musste die Innung dreimal bitten und als Meisterstück in einem anderen Ofen einen Schub Brot und einen Schub Semmeln backen, ohne fremde Hilfe.
2 Ratsherren, der Älteste des Handwerks und der Obermeister, besichtigten die fertige Ware. Dafür bekamen die eine Mahlzeit von 3 Gerichten und für einen Taler Bier.
Der Einheimische zahlte 1 Taler, ein Fremder 2 Taler in die Lade 5 Taler bekam der Meister, bei dem gebacken wurde.
Jeweils 2 Prüfmeister in der Mühle ( Das gemahlene Mehl wurde mit Plomben versehen, die erst in der Backstube entfernt werden durften) und 2 Prüfmeister in der Backstube mussten zugegen sein. (Alle zusammen bestätigten die bestandene Meisterprüfung)

1838 im September kamen eigene neue bearbeitete Innungsartikel zur Anwendung.

Einen derben Stoß erlitt das Zunftwesen 1861 am 15. Oktober durch das Gesetzt der Gewerbefreiheit. Dadurch gingen viele altehrwürdige Vereinigungen ein. Die Bäckerinnung aber bestand weiter.

1899 wurde die Satzung der Freien Bäckerinnung Döbeln in Kraft gesetzt. In der Hauptsache galten sie bis zum Anfang des 2. Weltkrieges.

Von 1875-1882 gehörte die Innung zum erzgebirgischen Bäckerverband.

1882 wurde der Verband sächsischer Bäckerinnungen „Saxonia“ gegründet. Diesem Verband- unsere heutige Landesinnung- wurde sofort beigetreten.
Mit den Nachbarinnungen Leisnig, Waldheim, Hartha, Hainichen, Rosswein, Nossen und Siebenlehn wurde 1892 der 15. Bezirk der Landesinnung gegründet.
Damit wurde im Jahr 1892 dem großdeutschen Bund „Germania“, heute unser Zentralverband des Bäckerhandwerks, beigetreten.

1893 fand hier in Döbeln die zweite Tagung des Bäckerbundes statt. Eine Fahne wurde geweiht, diese befindet sich auf der Burg Mildenstein in Leisnig.

Die Gewerbefreiheit schob das Meisterwerden beiseite und förderte das Pfuschertum.
-- Welche Parallele zu heute, als man noch vor kurzem versuchte, für unser Gewerk den Meisterbrief oder anders gesagt, den „Großen Befähigungsnachweis“ abschaffen. --
Mit dem Gesetz vom 26.Juli 1897 kam der wohlerworbene Titel „Meister“ wieder zu Ehren.

1905 am 5. Februar wurde der Bäckergesangsverein „Fidelio“ gegründet.

1909 bestimmte die Verordnung über den kleinen Befähigungsnachweis, dass nur derjenige Lehrlinge anlernen durfte, der sich die Bezeichnung `Meister` vor dem zuständigen Prüfungsamt erworben hatte.

1904 wurde die 400-Jahrfeier der Bäckerinnung Döbeln mit hiesigen und auswärtigen Gästen würdig gefeiert. Die Innung umfasste in diesem Jahr 60 Backbetriebe.

1906 kam zu dem geltenden Vertrag zwischen der Garnisonsverwaltung – Döbeln war Garnisonsstadt – und der Bäckerinnung ein Brotlieferungsvertrag hinzu, welcher besagte, dass jeder Bäckermeister am 6. Mobilmachungstage an täglich 70- 80 Sechspfünder zu liefern hatte, und das bei geringer Bezahlung.

1914-1923 war die bis dahin schwerste Zeit für die Meister und Meisterinnen; es war die Kriegs- und Inflationszeit.

Am 1. August 1914 war es so weit. Der Mehlvorrat wurde knapp. Ab 1. Dezember 1914 wurde das Brotmehl gestreckt; auf 50 kg Mehl wurden 17,5 kg Kartoffeln verarbeitet.
Auf dem freien Markt kostete ein Zentner Mehl 185 Mark.
Der Normalpreis von Roggenmehl lag bei 28,70 Mark und von Weizenmehl bei 31,10 Mark; also ca. das 6-fache.

1915 bestand die Bäckerinnung Döbeln aus 46 Mitgliedern.

1916 war die verhasste Einführung der Brot- und Mehlmarken. Die Bäcker und Verkäuferinnen hatten es zu dieser Zeit sehr schwer. Sie wurden von allen Seiten beschimpft und der Geldverfall war rasant. Ein Zahlenwahnsinn bis in Billionen war da

1917 wurde die Wirtschaftsgenossenschaft der Bäckerinnung zu Döbeln gegründet.

1917 wurden pro Kopf pro Woche 100 g Mehl bewilligt. Viele Betriebe schlossen daraufhin vorübergehend. Innerhalb der Bäckerinnung unterstützten die arbeitenden Betriebe die ruhenden Betriebe. Vom Obermeister wurden10 Pf pro Zentner Mehl eingesammelt. So konnte an ruhende Betriebe 1918 34.000 Mark von der Innung ausgezahlt werden.

1923 hielt Obermeister Starke 37 Vorstands- und 28 Vollsitzungen ab.

1929 am 8., 9. und 10. Juni fand in Döbeln der 44. Verbandstag Sächsischer Bäckerinnungen „Saxonia“ statt.

1926 am 29.12. erlebt die Bäckerinnung Döbeln eine schlichte Fahnenweihe.
Es ist die dritte Fahne nach 1839 und 1893.
Von den Fahnen von 1839 und 1926 fehlt aber jede Spur.

1924 vom 5. Bis 7. Juni fand das 2. Heimatfest in Döbeln statt.
Die ungünstige wirtschaftliche Lage wurde für kurze Zeit außer Acht gelassen. Döbeln hatte ca. 23.000 Einwohner, davon hatten ca. 6500 Arbeit. Doch während des Festes verkehrten zusätzlich 43 Sonderzüge und alle Gäste wollten versorgt sein.

In den Jahren danach reicht das erwirtschaftete Getreideaufkommen zur Deckung des Lebensmittelbedarfs nicht aus. Dadurch kam immer mehr Kartoffelmehl zum Einsatz. Die Regierung erließ Notverordnungen und der Zusammenhalt in der Innung wurde auf manche harte Probe gestellt. Aus alter Zeit ließen sich ganz wenige Namen der Obermeister und Vorstände feststellen.

1933 am 30. Januar übernahmen die Nationalsozialisten die Macht. Durch strenge wirtschaftliche Steuermaßnahmen gelang es zunächst Ordnung in das Staatswesen zu bringen. Die Einführung des Arbeitsdienstes und andere Maßnahmen senkten die Arbeitslosigkeit, wodurch das Volk optimistischer in die Zukunft blickte.

Eine dieser Maßnahmen war die Gleichschaltung aller Institutionen und Verbände in völlig neuer Gliederung. Unsere Innung wurde auf den gesamten Bereich der Amtsmannschaft ausgedehnt. Die bis dahin noch selbstständigen Innungen wurden zusammengefasst.

Der Tag des Zusammenschlusses war der 20. April 1936. Von nun an gehörten die Innungen Leisnig, Waldheim, Hartha, Rosswein, Döbeln-Land und Ostrau zur Bäckerinnung Döbeln. Alle Innungen wurden durch Obleute vertreten.
All diese Maßnahmen hatten eine straffe Organisation im Sinne der Nationalsozialisten mit möglichst vielen Parteigenossen an der Spitze zum Ziel. Erstmals entschied in der Wirtschaft Parteizugehörigkeit über fachliches Wissen und Können.

In Zukunft mussten Mehleinkaufsbücher mit Aufzeichnungen über verarbeitete Rohstoffe geführt werden. Doch bald schon wurden wieder Sparmaßnahmen eingeführt. Rezeptbücher und Preisvorschriften wurden erteilt.

Für Fette und Eier mussten Austauschstoffe verwendet werden; auch Baustoffe wurden immer knapper, denn der Autobahnbau und die Sicherung der Reichsgrenze hatte Vorrang. Das alles führte zu enormen Arbeitsaufwand für den Innungsvorstand und Obermeister, die gleichzeitig die Genossenschaft führten.

Nach 1935 wurden die Umsätze in den Bäckereien wieder besser. Die Bevölkerung hatte wieder Arbeit und Lohn, dadurch war ein Großteil der Menschen recht zufrieden.
Die Innungskasse konnte deshalb auch besser gefüllt werden. Daraufhin kam es zur Errichtung verschiedener Kassen, wie z.B. Pensionskassen, Sterbekassen, Vergnügungskassen, ... usw.

Nach dieser kurzen Zeit der Besserung kam der 2. Weltkrieg. Großes Leid und Not brachte dieser Krieg auch für unsere Bäckerinnung.
Durch große Anstrengungen, vor allem der Frauen, wurden Betriebe zum Teil mit Aushilfskräften weitergeführt.
Mit großem Einsatz wurde unsere Berufsgruppe des Bäckerhandwerks und Genossenschaft von Obermeister Claus und seinem Vorstand wieder aufgebaut; galt es doch die komplizierte Versorgung mit Rohstoffen und Brennmaterialien so einigermaßen zu organisieren.
Tägliche Stromsperren und unzählige Behördengänge erschwerten die Arbeit im eigenen Betrieb und in ehrenamtlicher Funktion enorm.

Ende 1947 umfasste die Berufsgruppe des Bäckerhandwerks des heutigen Landkreises Döbeln (denn damals gehörte ja noch Hainichen zum Landkreis Döbeln) 184 Backbetriebe.

1950 am 9. August wurde das Gesetz zur Förderung des Handwerks erlassen. Danach waren Handwerksbetriebe, geleitet von einem Handwerksmeister, Betriebe bis zu max. 10 Beschäftigten, wobei die mithelfende Ehefrau nicht mitgezählt wurde und dadurch auch nicht entlohnt werden durfte.

Erst ab dem Jahre 1966 wurde dies nach mehrjährigen Verhandlungen geändert. Einen großen Anteil daran hatten die Berufsgruppenleitungen, bei uns besonders der langjährige Obermeister Karl Fricke aus Döbeln.
Die Arbeit der Berufsgruppenleitung und der Einkaufs- und Liefergenossenschaft des Bäcker-,Müller- und Konditorenhandwerks samt Geschäftsführer erfüllte sich unter anderem darin, Rohstoffe und Technik für die Mitglieder heranzuschaffen.

Am 1. April 1985 wurde Frank Liebsch, seit 1979 Obmann für Leisnig und Umgebung, zum Obermeister der Berufsgruppe des Bäckerhandwerks des Kreises Döbeln gewählt.
Unvergessen sind aus dieser Zeit die Kollegen:
- Karl Fricke
- Heinz Ruckert
- Karl-Heinz Weißbach
- Herbert Wetzig
- Manfred Kunath
- Alfred Haronska
- Lothar Körner

1990 kam es zum Zusammenschluss der Bäckergenossenschaften Riesa/ Elsterwerda und Döbeln.
Die Mitgliedschaft in unserer Bäckerinnung Riesa – Döbeln – Bad Liebenwerda war ab sofort, wie in allen Handwerksinnungen, wieder freiwillig.
Dieser Innung gehörten 1990 72 Betriebe an.
Der Einzugsbereich der Bäko Elbe-Elster wurde gleichzeitig Innungsbereich für unsere Bäckerinnung Riesa – Döbeln – Bad Liebenwerda.
Obermeister wurde Gottfried Schneider, stellv. Obermeister wurden Frank Liebsch und Bernd Herold.

Im Vorstand arbeiteten:
Siegfried Wagner aus Zeithain
- Heinz Lederer aus Röderau
- Dieter Noel aus Prösen und
- Karl-Heinz Zschiesche aus Rosswein sowie
- Matthias Brade aus Röderau als Lehrlingswart und
- Konrad Bartels aus Nünchritz als Vorsitzender des Prüfungsausschusses

1995 ab 1.1. wird die Zusammensetzung der Bäckerinnung erneut durch die Kreisgebietsreform geändert.
Der Kreis Bad Liebenwerda wird ausgegliedert und der Kreis Großenhain kommt durch Wahl hinzu.

Die Bäckerinnung heißt ab sofort Bäckerinnung Riesa/ Großenhain/ Döbeln.
Obermeister ist Gottfried Schneider.
Stellvertretende OM sind:
- Lothar Börner aus Großenhain und
- Frank Liebsch aus Leisnig

Vorstände sind:
- Siegfried Wagner aus Zeithain
- Dieter Beutler aus Riesa
- Matthias Brade aus Röderau
- Detlev Faust aus Großenhain
- Heinz Lederer aus Röderau

Am 11.10.1999 scheidet Obermeister Gottfried Schneider als Obermeister unserer Innung aus.
Obermeister wird Frank Liebsch aus Leisnig.
Stellvertretende Obermeister sind:
- Matthias Brade und
- Detlev Faust

Vorstände sind:
- Dieter Beutler aus Riesa
- Gottfried Tobollik aus Skäßchen
- Thomas Lederer aus Röderau
- Gastmitglied Siegfried Wagner aus Zeithain

Aus gesundheitlichen Gründen legte OM Frank Liebsch am 21.4.2004 sein Amt nieder. Neuer Obermeister wurde Matthias Brade aus Röderau/ Riesa. Dieser übte das Amt bis zur Fusion  2008 aus.

 
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