Geschichte Meissen

Ein Streifzug durch die Geschichte der Innung

 

15. Jahrhundert 17. Jahrhundert 19. Jahrhundert

 

Entstehung der Zunft im 15. Jahrhundert

 

Während man davon ausgehen kann, dass das Meißner Bäckerhandwerk viel älter als 500 Jahre ist, wurde eine Organisationsform der Bäcker, die damalige Zunft, im Jahre 1500 erstmals in einer Beschwerdeschrift der Meißner Handwerker an den Kurfürsten erwähnt. Dies war der Grund 1500 als Gründungsjahr der Meißner Bäckerzunft, später Innung anzunehmen.

1525 bekamen die Meißner Bäcker eine neue Zunftordnung, welche im Wesentlichen den Artikeln von 1500 entsprochen haben dürften.

Im weiteren Verlauf der Zunftentwicklung bildeten sich im Jahre 1554 sogenannte Gesellenverbände mit eigenen Gesetzen und Gesellenordnungen.

Die Meisterzunftartikel wurden 1591 erneuert. Auf Grund der strengen Zunftartikel blieb die Zahl der Meister begrenzt und es wurde strenge Ordnung gehalten.

Wer nicht 2 Jahre gelernt hatte und zwei Jahre gewandert war durfte nicht als Geselle in Arbeit treten. Welcher Geselle nicht mindestens 1 Jahr bei einem Meister gearbeitet hatte, durfte sich nicht um das Meisterrecht bewerben. Die Meisterprüfung bestand darin, je drei Scheffel Weizen und Roggen zu mahlen und einen sogenannten Schuß daraus zu backen. Die Wahl des Ofens stand ihm dabei frei.

Die gleichen Interessen und eine Reihe zu lösender Probleme in allen Handwerkszweigen führten in unseren Breiten zu ersten Zünften bzw. Gilden und im weiteren Verlauf zu Innungen und damit zu ersten handwerklichen Organisationen.
Die Zunft wurde von einem Obermeister geführt, der zumeist von einem oder mehreren Stellvertretern, einem Sekretär, Kassierer und Schriftführer unterstützt wurde.
Backstuben alt

Auszug aus der Zunftordnung um 1500:


Zunftordnung


Die Meißner Bäckerzunft im 17. Jahrhundert

 

Zwischen 1646 und 1699 schwankte die Zahl der Bäckermeister zwischen 12 und 20.

Der Existenzkampf war hart und sie mussten sich innerhalb der Zunft immer wieder durchsetzen.

So wurde das Reihumbacken eingeführt. Das heißt, das wöchentlich unterschiedliche Meister backen durften,
während die anderen pausieren mussten. 1647 wurden dazu neue Satzungen festgelegt.

Um 1765 wurden in Sachsen Verordnungen erlassen, auf deren Grundlage auch in Meißen im Jahre 1780
eine Reform der Zunftordnung erfolgte. Doch die veralteten Zunftordnungen und die vielfältigen Steuern
und Abgaben hatten zu dieser Zeit dem Handwerk den sogenannten "Goldenen Boden" weitestgehend entzogen.

 

Die Meißner Bäckerzunft hatte um 1820 zu erbringen:

1100 General- und Landesakzium
190   Taler Mahlgroschen und Steuercolleg
104   Taler einen hocherlauchten Rate zur Erhaltung der Laternen
346   Taler neue Kriegsanlage aus dem Jahre 1820
43     Taler alte Kriegsanlage aus dem 7. Jährigen Krieg
36     Taler für den Rechenführer
1819 Taler insgesamt für 20 Bäckerein

Zunftlade

Meißner Siegel

Meißner Siegel

Das 19. Jahrhundert

 

1882 wurde die Meißner Innung Mitglied des inzwischen gegründeten SAXONIA-Verbandes sächsischer Innungen. 1889 erfolgte auf Beschluss der Landesversammlungen die Umwandlung der bisherigen freien Innungen zu Zwangsinnungen.
Die Meißner Obermeister sind uns seit 1853 in lückenloser Reihenfolge bekannt und mit Fotos belegt.

August-Arnold 1853-1875 Robert-Fickert 1875-1884
Heinrich-Guehne 1884-1886 Hermann-Leuschner 1886-1890 Louis-Roßberg 1890-1898
Richard-Lyon 1898-1914 Moritz-Dietze 1914-1933 Otto-Schulze 1933-1945 Alfred-Wächtler 1945-1958 Gerhard-Rendler 1958-1974

1900 feierte die Innung ihr 400 jähriges Bestehen.

Obermeister Richard Lyon stand 161 Mitgliedsbetrieben vor, welche 128 Gesellen und 63 Lehrlinge beschäftigten.
Sein Nachfolger Moritz Dietze und andere sozial bewusste Kollegen bauten eine Krankenkasse, Sterbekasse und eine Buchstelle für Steuerfragen auf.
Dies war der Grundstein für die Entwicklung der Pensions- und Innungskrankenkasse.
Im Jahre 1912 wurde in Meißen von 12 Kollegen eine Einkaufsgenossenschaft gegründet.

Politische Veränderung und ihre Auswirkungen

1933 nach der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten wurde auch das Innungsgefüge
total geändert. Unsere Innung wurde auf den gesamten Bereich der Amtshauptmannschaft ausgedehnt. Tag des Zusammenschlusses war der 20.Apri1 1934. Die bis dahin eigenständigen 127 kleinen Innungen wurden zu 28 Großinnungen fusioniert. Die Zwangsinnung wurde aufgehoben.

Zur Meißner Innung kamen die Innungen von Lommatzsch (nachweisbar seit 1641 ), Nossen (seit 1549), Wilsdruff (seit 1599), und Siebenlehn (seit 1564) sowie die noch jungen Innungen von Weinböhla und Coswig.
Der seit 1914 amtierende und allseits geschätzte OM Moritz Dietze wurde abgelöst und durch OM Otto Schulze ersetzt. Erstmalig in der Geschichte unserer Innung entschied nicht fachliches
Können und Wissen, sondern die Parteizugehörigkeit über die Zusammensetzung des Innungsvorstandes.

Nach Kriegsende erfolgte durch die sowjetische Besatzungsmacht das Verbot aller Innungen und ihrer Organe. Ihre Immobilien wurden in das Eigentum der Handwerkskammer überführt. Aus den Innungen wurden Berufsgruppen.

Im Jahre 1950 trat das Gesetz zur Förderung des Handwerks in Kraft, in dessen Folge die Genossenschaft neu geordnet wurde. Durch die Kontrolle des FDGB war sie in der Selbstbestimmung eingeschränkt.

Die privaten Backbetriebe litten unter den schlechten Tarifbedingungen, Rohstoffmangel, Versorgungsengpässen und Personalmangel durch Abwerbungen in die besser bezahlte Industrie.

Es fehlte an neuen technischen Geräten und modernen Backöfen.

Wirkliche Reformen unterblieben und den administrativen Maßnahmen war kein Erfolg beschieden.

Mit der friedlichen Revolution im Jahre 1989 und der
Grenzöffnung begann auch für das Bäckerhandwerk ein neuer Abschnitt. Die Innungen als selbständige Organe des Handwerks wurden wieder aufgebaut. Am 24. April 1990 fand in Dresden die Gründungsfeier des Landesinnungsverbandes des Sächsischen Bäckerhandwerkes SAXONIA statt.

Meißner Bäcker und Konditoren sind Mitbegründer und Miteigentümer des neuen Einkaufs- und Lieferbetriebes "BÄKO-Meißen" des Bäcker- Konditoren- und Müllerhandwerks (Bestätigung der Statuten am 19. Juli 1990). Am 22. September 1991 erfolgte die Wiedergründung der Meißner Bäckerinnung. Ihr gehören z. Z. 48 Backbetriebe an.

 
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